Nach Luftangriff in Syrien: Die USA haben keine Strategie: Weshalb der Syrien-Angriff vom großen Versagen ablenkt

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Sie haben es getan, endlich, sie haben reagiert. Die USA und ihre Verbündeten Frankreich und Großbritannien haben drei Ziele in Syrien bombardiert, die unmittelbar mit dem Chemiewaffenprogramm des Assad-Regimes zu tun haben. Zumindest dem französischen Präsidenten Macron ist damit gelungen, womit Barack Obama jahrelang scheiterte: Er hielt seine rote Linie ein. Die hieß: Wenn Assad wieder mit Chlorgas oder anderen chemischen Waffen tötet, greifen wir ein.

Natürlich ist das vor allem symbolisch, Chlorgas oder Nervengifte sind geächtet, denn sie töten nicht gezielt, sie töten eine Masse von Menschen willkürlich. Assad setzt sie immer wieder ein, um Syrer zu bestrafen, die ihm nicht gehorchen. Chlorgas ist keine Kriegswaffe, es ist ein Mordwerkzeug.

trumps_rede_wortlaut_10.40Allerdings hat Assad mit konventionellen Waffen ebenso willkürlich getötet. Nur ein Prozent der Menschen, die sein Regime umgebracht hat, starben an Chemiewaffen. Viel mehr Syrer verloren ihr Leben, wenn Flugzeuge und Hubschrauber Bomben auf Wohngebiete abwarfen. Damit kann Assad ungehindert weitermachen, ein Eingreifen dagegen diskutiert niemand im Westen.

Luftschlag in Syrien lenkt ein bisschen vom großen Versagen seit 2012 ab

Symbolisch war der Luftschlag von gestern Nacht auch deshalb, weil sich der Westen damit selbst vergewissert, doch etwas getan zu haben. Das lenkt ein bisschen ab vom großen Versagen seit 2012: dem Zusehen bei einem Massenmord.

Allein das Wort Reaktion sagt schon viel über die westliche Syrienpolitik. Der Westen ist in diesem Konflikt kaum noch von Bedeutung, er reagiert vereinzelt, während andere agieren. Putin hat in Syrien Tatsachen geschaffen. Autokratien wie die Türkei und Iran kämpfen um ihren Einfluss in der Nachkriegszeit.

Noch weniger als unter Obama haben die USA heute irgendeine Strategie für dieses Kernland des Nahen Ostens, sie sind in der ganzen Region geopolitisch gescheitert. Gerade erst hatte Trump verkündet, er wolle sämtliche US-Truppen innerhalb von 48 Stunden aus Syrien abziehen, sein Verteidigungsminister konnte ihn davon abbringen. Kurz darauf befiehlt er Luftangriffe gegen das Assad-Regime.

Angriff wirft zwei Fragen auf

Syrien-Konflikt - Kann Deutschland abseits stehen?_9.15So jemand tritt an gegen einen Strategen wie Wladimir Putin. Tritt er überhaupt an? Gerade sieht es eher aus, als würden die USA den Russen die Hoheit über den Nahen Osten freiwillig überlassen. Daran ändern drei Luftangriffe nichts.

Es stellen sich bei solchen Angriffen zwei Fragen: Sind sie maßvoll genug, damit die Lage nicht eskaliert? Und sind sie deutlich genug, damit sie etwas bewirken? Die erste Frage kann man bejahen. Putin scheint die Aktion hinzunehmen, es sind keine Russen gestorben, es ist offenbar überhaupt niemand gestorben. Immerhin das zeigt, wie überlegen die US-Armee noch immer ist. Beziehungsweise: sein könnte, wenn sie einen klugen Oberbefehlshaber hätte.

Damit Luftschläge aber etwas bewirken, müssten weitere folgen, ebenso präzise Operationen, mal mit Ankündigung, mal überraschend, die Assad zeigen, dass sein Handeln wirklich einen Preis hat. Das könnte die westliche Rolle in Syrien sein. Eine Nebenrolle in diesem Krieg. Aber selbst das ist ein optimistisches Szenario. Wahrscheinlicher ist, dass es weitergeht wie bisher: Putin agiert, der Westen reagiert – manchmal.

14-USA und Verbündete beginnen mit Militäreinsatz gegen Syrien-5770281337001



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Date de parution : 14 April 2018 | 11:40 am